In der ersten Förderphase des Projekts wurden drei Studien mit dem Programm Lautarium durchgeführt. Im Rahmen einer ersten empirischen Prüfung (Klatte, Steinbrink, Bergström & Lachmann, 2013) konnte bestätigt werden, dass die im Programm enthaltenen Trainingsaufgaben die phonologischen Defizite von Kindern mit Lese-Rechtschreibstörung wie beabsichtigt abbilden: Leseschwache Grundschulkinder zeigten in allen Aufgaben schlechtere Leistungen als gleichaltrige Kontrollkinder mit mindestens durchschnittlichen Leseleistungen. Die Effektstärken der Gruppenunterschiede lagen im mittleren bis hohen Bereich. Die Trainingsaufgaben erwiesen sich somit als grundsätzlich geeignet, um phonologische Fähigkeiten bei Kindern mit Lese-Rechtschreibstörung zu fördern. Im nächsten Schritt wurden die Effekte des Trainings mit Lautarium auf die phonologischen und schriftsprachlichen Leistungen bei Grundschulkindern mit Lese-Rechtschreibstörung (Interventionsstudie 1) sowie bei unselektierten Erstklässlern (Präventionsstudie 1) untersucht (Klatte et al., 2014). In beiden Studien wurde ein Kontrollgruppendesign mit drei Messzeitpunkten realisiert: Vortest vor Trainingsbeginn, Nachtest 1 unmittelbar nach Trainingsende, Nachtest 2 zehn Wochen nach Trainingsende.
An Intervenionsstudie 1 nahmen 41 von Lese-Rechtschreibstörung betroffene Drittklässler teil. Die Kinder, die mit dem Programm trainierten (N=20) zeigten in beiden Nachtests im Vergleich zur Kontrollgruppe (N=21) bessere Leistungen in Untertests zur Phonemwahrnehmung, phonologischen Bewusstheit und lautgetreuen Rechtschreibung. Weiterhin zeigten die Kinder der Trainingsgruppe im Nachtest 2 signifikant bessere Leistungen im Vorlesen von Wörtern und Pseudowörtern. An Präventionsstudie 1 nahmen Erstklässler teil, da geprüft werden sollte, ob das Programm prinzipiell auch zur Unterstützung des beginnenden Schriftspracherwerbs geeignet ist. Im Vergleich zur Kontrollgruppe (N=35) zeigten die Kinder der Trainingsgruppe (N=41) in beiden Nachtests bessere Leistungen in Untertests zur phonologischen Verarbeitung und zum Lesen und Rechtschreiben.
Insgesamt erwies sich das Training somit in beiden Gruppen als effektiv. Die Studien ergaben aber auch Hinweise auf Optimierungsmöglichkeiten des Programms für beide Zielgruppen, die im Rahmen der zweiten Förderphase des Projekts umgesetzt wurden. Zudem wurde in der zweiten Förderphase weitere Evaluationsstudien zur Wirksamkeit des Trainings mit Lautarium bei Kindern mit Lese-Rechtschreibstörung sowie bei Kindern, die nach dem ersten Grundschuljahr erhebliche Probleme mit dem Schriftspracherwerb zeigen, durchgeführt (Interventionsstudie 2 und Präventionsstudie 2).
In Interventionsstudie 2 (N = 41) wurde wieder ein Kontrollgruppendesign mit drei Messzeitpunkten realisiert (Vortest vor Trainingsbeginn, Nachtest 1 unmittelbar nach Trainingsende, Nachtest 2 zehn Wochen nach Trainingsende). Interventionsstudie 2 (N = 41), in der die optimierte Programmversion eingesetzt wurde, bestätigte signifikante Trainingseffekte mittlerer bis hoher Effektstärken in der phonologischen Bewusstheit und im Rechtschreiben. Die Kinder der Trainingsgruppe verbesserten ihre Rechtschreibleistung um durchschnittlich 10 T-Wertpunkte.
Präventionsstudie 2 wurde als Wartegruppendesign mit Zweitklässlern (N = 99) aus zwei Grundschulen in Einzugsgebieten mit vergleichsweiser schwacher Sozialstruktur durchgeführt. Die Kinder der einen Schule absolvierten das Lautarium-Training zu Beginn des Schuljahres. Nach Ende des Trainingszeitraums zeigten diese Kinder im Vergleich zur Wartegruppe signifikant stärkere Lernzuwächse in der Rechtschreibung, nicht jedoch im Lesen und in der phonologischen Bewusstheit. Da Analysen der Trainingsdaten ergaben, dass nur wenige Kinder das Lautarium im vorgesehenen Zeitraum abgeschlossen hatten, wurde das Lautarium nochmals modifiziert, um ein zügigeres Durcharbeiten zu ermöglichen. Am Schuljahresende absolvierten die Kinder der Wartegruppe das Lautarium-Training mit der veränderten Programmversion. Nach Abschluss dieser Trainingsphase zeigten die Kinder der Wartegruppe signifikant stärkere Lernfortschritte in der phonologischen Bewusstheit und im Lesen und Rechtschreiben als die Kinder der anderen Gruppe. Die Effektstärken lagen im mittleren bis hohen Bereich.